OECD kritisiert deutsches
Bildungssystem scharf

Hörsaal an der Dortmunder Universität (Foto: ddp)
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Der Pisa-Schock hat offenbar nichts
genutzt: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) hält das deutsche Bildungssystem weiterhin
nicht für besonders gut. In Deutschland wird nach den
Erkenntnissen der Experten zu wenig Geld in die Bildung
investiert. Die Folge: Sowohl bei Kindergartenkindern als auch
bei Universitätsabsolventen schneiden die Deutschen im
internationalen Vergleich schlecht ab.
Weniger Akademiker
Einen ersten Hochschulabschluss erzielten in den OECD-Ländern im
Schnitt 32 Prozent der Bevölkerung. "Die Zahl reicht von weniger
als 20 Prozent in Deutschland bis zu mehr als 40 Prozent in
Australien, Finnland, Island und Polen", heißt es in einem neuen
Bericht. Deutschland sei bei dieser wesentlichen Kenngröße für
den künftigen Arbeitsmarkt der so genannten
Wissensgesellschaften demnach weit im Hintertreffen.
Ältere gebildeter als
Jüngere
Beim Vergleich verschiedener Altersgruppen auf ihren
Bildungsabschluss überschreitet nach der OECD-Studie in fast
allen Staaten der Anteil der 25- bis 34-Jährigen mit
Universitätsdiplom den der 45- bis 54-Jährigen. Am deutlichsten
zeigt sich das in Korea: Dort haben nur 13 Prozent der 45- bis
54-Jährigen, dafür aber 40 Prozent der heute 25- bis 34-Jährigen
ein Hochschulexamen in der Tasche. Nicht so in Deutschland. Hier
sind die Älteren gebildeter. Ein Viertel der Generation der mehr
als 45-Jährigen sind Akademiker; bei den zwanzig Jahre Jüngeren
hat nur noch ein Fünftel ein Diplom.
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Schüler lösen in einer Grundschule in Hannover eine
Aufgabe im Mathematik-Unterricht (Foto: ddp)
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Zu große Gruppen im
Kindergarten
Die OECD bemängelt in der Studie nach Informationen der Zeitung
"Die Welt" auch die Situation in den Grundschulen und
Kindergärten in Deutschland. Hier bedürfe das
Betreuer-Kinder-Verhältnis der Verbesserung. Besonders
gravierend sei die Situation im Elementarbereich, in dem rund 24
Kinder auf eine Betreuungsperson kommen - die nach dem
Vereinigten Königreich ungünstigste Relation innerhalb der OECD.
Der Durchschnittswert unter den 30 Ländern liege im
Kindergartenbereich bei etwa 15 Kindern pro Erzieher.
Zu wenig Geld investiert
Die Studie kritisiert Deutschland vor allem auch deshalb, weil
hierzulande weniger Geld für Bildung ausgegeben wird als in
vielen anderen OECD-Staaten. Viele Staaten arbeiteten
kontinuierlich daran, das Bildungs- und Qualifikationsniveau
ihrer Menschen anzuheben - vor allem durch die Ausbildung von
mehr Akademikern. Die deutschen Ausgabenzuwächse seit 1995 aber
lägen schon bei den Schulen am unteren Ende der Skala, bei den
Hochschulen nur im Mittelfeld.
Lob für Ganztagsschulen
Trotz der ganzen Kritik fanden die Experten aber dennoch ein
paar positive Punkte. Sie erwähnten lobend den Aufbau einer
regelmäßigen nationalen Bildungsberichterstattung. Außerdem
würdigt die Studie die Anstrengungen beim Ausbau von
Ganztagsschulen und bei der Weiterentwicklung des Bafögs sowie
bei der Umstellung auf Master-Bachelor-Abschlüsse an den
deutschen Hochschulen.
OECD legte Bericht vor
Die Organisation legt am Dienstag zeitgleich in mehreren
Hauptstädten der Welt ihren neuen Bildungsreport vor. Die Studie
wird in Berlin an Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn
(SPD) und den Vize-Präsidenten der Kultusministerkonferenz
(KMK), Brandenburgs Bildungsminister Steffen Reiche (SPD)
übergeben. Bereits beim weltweiten Pisa-Schultest vor drei
Jahren hatten die deutschen Schulen besonders schlecht
abgeschnitten.
Tauss nimmt
Kultusminister in Verantwortung
Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jörg Tauss,
sagte, der Bund habe mit dem Vier-Milliarden-Euro-Programm zum
Ausbau der Ganztagsschule "seine Hausaufgaben gemacht" und den
Ländern geholfen, die Schulprobleme zu lösen. Nun seien die
Kultusminister gefordert, nach dem Pisa-Schock die Schulen zu
reformieren. Das deutsche Bildungssystem bringe zu wenig
Abiturienten hervor. In keinem Industriestaat hänge der
Bildungserfolg so sehr von der sozialen Stellung der Eltern ab
wie in Deutschland.
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